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wXw 16 Carat Gold – Die komplette Historie 2006–2025 von Sebastian Grimm Teil 4

Vor einigen Wochen hat uns Sebastian Grimm kontaktiert – und uns mit beeindruckenden Statistiken aus 20 Jahren 16 Carat Gold überrascht. Doch damit nicht genug:
Er hat anschließend 19 ausführliche Artikel zu allen bisherigen Turnieren verfasst.

Diese großartige Arbeit möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

📚 Lest jetzt die komplette Artikelserie HIER auf Substack oder Teil 4 im Folgenden hier auf unserer Homepage.

 

16 Carat Gold 2020 – Bevor alles stillstand

Rückblickend fühlt sich das 16 Carat Gold 2020 anders an als alle Jahre davor. Nicht wegen des Bookings, nicht wegen der Matches – sondern wegen des Wissens, das erst später kam. Es war das letzte Carat und zugleich die letzte wXw-Show vor Corona. Damals wusste das niemand. Genau das macht dieses Wochenende so besonders.

Sportlich lieferte das Turnier auf höchstem Niveau. Das Finale zwischen Cara Noir und Mike Bailey ging 28:27 Minuten und ist damit das zweitlängste Finale der Carat-Geschichte. Doch Länge allein erklärt dieses Match nicht. Cara Noir betrat die Bühne mit Tschaikowskys Schwanensee als Theme, bewegte sich wie ein Balletttänzer und wrestlete mit einer fast schon künstlerischen Präzision. Seine Matches waren keine Abfolge von Moves, sondern Erzählungen aus Blicken, Pausen und Haltung. Athletik traf auf Ausdruck – und verwandelte das Carat in etwas völlig anderes.

Diese Reise begann nicht erst am Turnierwochenende. Bereits bei Back to the Roots 2020 trat Cara Noir erstmals in Erscheinung, als er Marius Al-Ani herausforderte. Das Carat wurde zum ersten großen Payoff einer Geschichte, die hier erst richtig Fahrt aufnahm.

2020 war aber auch ein Jahr der Abschiede. David Starr bestritt sein vorletztes Match überhaupt und beendete seine wXw-Karriere. Passend dazu lieferte er mit Bobby Gunns an Tag 2 ein 41:15 Minuten langes Titelmatch – Platz zwei der längsten Titelmatches der Carat-Historie. Ein Kampf wie ein Vermächtnis, das David Starr mit blutender Stirn verlore. Ebenfalls verabschiedete sich Timothy Thatcher mit seinem letzten wXw-Match. Keine großen Gesten, keine langen Reden. So wie wir Timothy Thatcher immer gekannt haben und bis heute kennen und lieben. There’s only one Tim Thatcher.

Auch Statistiken schrieben Geschichte. Jay Skillet bestritt an Tag 1 sein zehntes Non-Tournament-Match bei einem Carat und zog damit mit Michael Dante gleich. Danach kam kein weiteres hinzu. Ein Rekord, der still endete – passend zum Jahr.

Gleichzeitig veränderte sich vieles. Die Geschichte um Lucky Kid erreichte mit dem „Auge“ ihren Wendepunkt, EZEL wurde gegründet und aus Lucky Kid wurde Metehan. Identität statt Spitzname. Wandel statt Stillstand. Lucky Kid wurde erwachsen.

Zwischen all dem Ernst blieb Raum für Kreativität. An Tag 2 kündigten die Tag Team Champions Absolute Andy und Jay Skillet das Jay-AA Tag Team Experten Gauntlet an – und starteten es sofort. Zufällige Teams, spontane Paarungen, Chaos mit Charme. Dazu ein internationaler Touch mit Black Taurus und Puma King.

An Tag 3 betrat Stephanie Maze erstmals die große Bühne und das direkt bei Carat im Titelmatch gegen Amale. Ein großer Moment und der Anfang einer tollen Karriere.

Für einen weiteren großen Moment sorgte Axel Tischer. Überraschend kehrte er zurück, gewann den Shotgun Title und kündigte an, in Deutschland zu bleiben, bis er den Titel verlieren würde. Ein Versprechen, das die Pandemie verhinderte – auch das ist Teil dieser Geschichte. Immerhin kehrte Tischer 2021 zurück.

2020 fühlte sich nicht wie ein Abschied an. Es war Alltag. Wrestling. Carat. Und genau deshalb bleibt dieses Wochenende so schwer – und so wichtig.

16 Carat Gold 2022 – Unter neuen Vorzeichen

Das 16 Carat Gold 2022 war mehr als nur ein weiteres Turnier. Es war das erste Carat nach der Corona-Pause – 2021 hatte es keins gegeben – und damit ein Wochenende, das zwangsläufig unter besonderer Beobachtung stand. Niemand erwartete ein lautes Statement. Was folgte, war ein Carat der Anpassung, der Vorsicht und genau deshalb der Ehrlichkeit. Für die Fans war nur eines wichtig: Es ist endlich wieder Carat.

Schon die Zahlen erzählen diese Geschichte. Mit 4:46:47 Stunden war es das Carat mit der geringsten kombinierten Matchzeit eines gesamten Wochenendes, der dritte Tag kam sogar nur auf 1:20:04 Stunden – ebenfalls Rekord. Doch diese Kürze fühlte sich nicht leer an. Sie wirkte wie ein bewusstes Innehalten, ein Turnier mit angezogener Handbremse, das erst einmal wieder lernen musste, da zu sein.

Trotz aller Umstände war das Carat international. Neun Nationen waren vertreten – ein geteilter Rekord mit anderen Jahren. Und das, obwohl Reisen noch immer kompliziert waren. Mit Fuminori Abe, LuFisto, Ace Romero und Jonathan Gresham schaffte es wXw, echte Gaststars nach Deutschland zu holen. Ein leises, aber klares Zeichen: Die Welt war noch da.

Das Finale passte perfekt zu diesem Carat. Jonathan Gresham besiegte Robert Dreissker nach 12:45 Minuten und gewann das Turnier. Platz drei der kürzesten Finals – präzise, fokussiert, ohne Umwege. Für Dreissker war es das siebte Carat ohne Turniersieg, mehr als jeder andere. Sein Auftreten wurde spürbar heelischer, der Frust greifbar. Rückblickend wirkte dieses Wochenende wie ein deutliches Foreshadowing auf das, was später mit AMBOSS kommen sollte.

Historisch wurde das Turnier auch an anderer Stelle. LuFisto schrieb Geschichte als erste Frau im 16 Carat Gold. Und sie war nicht einfach dabei – sie kam bis ins Halbfinale, besiegte auf dem Weg unter anderem den Publikumsliebling Maggot und scheiterte erst an Dreissker. Kein Gimmick, keine Sonderrolle. Eine echte Turnierleistung.

Natürlich blieb das Wochenende nicht frei von Realität. Marius Al-Ani verletzte sich an Tag 1, sodass Hektor Invictus als Alternate nachrückte und an Tag 2 gegen Shigehiro Irie verlor. Das Turnier reagierte – ruhig, pragmatisch, ohne Drama.

Für das große Spektakel sorgte der Four Way um die wXw Unified World Wrestling Championship an Tag 2. Axel Tischer, Jurn Simmons, Levaniel und Tristan Archer trafen aufeinander – mit Flaggen, Nebel, Ballons und bewusst großer Inszenierung. Ein Moment, der klar sagte: Wir sind zurück.

Lockerheit brachte Ninja Mack. Als Special Attraction sorgte er nicht nur für Staunen – er sprang vom Balkon. Ein dieser Augenblicke, bei denen man kurz vergisst, wie lange man darauf warten musste. Wow.

Der emotionale Abschluss folgte an Tag 3, als Maggot den Shotgun Title gewann. Ein Titelwechsel, der sich richtig anfühlte. Und als wäre das nicht genug, setzte Ace Romero mit einem Suicide Dive noch ein letztes körperliches Ausrufezeichen.

Das 16 Carat Gold 2022 war kein lauter Neustart. Es war ein vorsichtiger. Einer, der akzeptierte, dass nichts mehr ganz so war wie zuvor – und genau deshalb funktionierte.

16 Carat Gold 2023 – Der Preis der Kontrolle

Das 16 Carat Gold 2023 fühlte sich anders an. Weniger „alles kann passieren“. Stattdessen stand dieses Wochenende unter einem klaren Leitmotiv: Macht – wer sie hat, wer sie nutzt und wer am Ende die Konsequenzen tragen muss.

Dabei blieb das Carat international so breit aufgestellt wie selten zuvor. Neun Nationen waren vertreten, ein geteilter Rekord mit anderen Jahren. Diese Vielfalt war längst kein Gimmick mehr, sondern Normalität. Unterschiedliche Stile trafen aufeinander, ohne dass einer dominierte – genau wie die Erzählung dieses Turniers selbst.

Die größte strukturelle Besonderheit lag in der Prämisse. Das Turnier ging um die wXw Unified World Wrestling Championship – doch der amtierende Champion Levaniel war nicht dabei. Norman Harras hatte ihm den Titel im Vorfeld abgenommen und sorgte dafür, dass Levaniel nicht einmal ins Turnier kam. Stattdessen musste er sich über die Road to 16 Carat qualifizieren – und scheiterte. Der Titel wurde nicht im Ring verloren, sondern durch Kontrolle entzogen. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen.

Am Ende schrieb Shigehiro Irie Geschichte. Mit 34 Jahren wurde er der älteste Carat-Sieger aller Zeiten und neuer wXw Unified World Wrestling Champion. Kein Wunderkind, kein Überraschungslauf – sondern Erfahrung, Härte und Präsenz. Ein Sieg gegen den Zeitgeist und ein Statement, dass dieses Turnier nicht nur Zukunft produziert, sondern auch Veteranen krönen kann.

Das Feld bot zudem Raum für Neues. Mike D Vecchio rückte ins Turnier nach – und damit begann eine Geschichte, die sich erst noch entfalten sollte. Kein Lückenfüller, sondern der Anfang einer spannenden wXw-Karriere.

Emotionale Brüche waren ebenfalls Teil des Wochenendes. An Tag 1 trafen Maggot und Ahura aufeinander. Einst Tag Team Partner, nun erbitterte Gegner. Ohne Respekt, ohne Nostalgie. Ahura besiegte seinen ehemaligen Freund und zog ins Viertelfinale ein. Ein Match, das mehr erzählte als jede Promo.

Optisch präsentierte sich das Carat reduziert. Weniger Stage, weniger Ablenkung – dafür ein Würfel über dem Ring. Ein simples, fast schon symbolisches Element, das perfekt zum kontrollierten Ton des Turniers passte.

Der emotionale Höhepunkt kam an Tag 2 – und es war kein Titelmatch. Stattdessen: Bobby Gunns gegen Norman Harras. Job vs. Karriere. Nach Eingriffen, unter anderem durch Michael Knight aus dem Tag Team Only Friends, setzte sich Gunns durch. Harras verlor seinen Job. Die Halle explodierte. Selten war ein Nicht-Titelmatch so zukunftsweisend.

Zwischen all der Schwere setzte das Turnier auch Kontraste. Eines der besten Lucha-Matches der Carat-Geschichte bestritten die FrenchadorsAigle Blanc & Senza Volto – gemeinsam mit Komander gegen Arez, Fuminori Abe und Trey Miguel. Tempo, Kreativität, pure Energie – ein bewusster Gegenpol.

Das 16 Carat Gold 2023 war kein lautes Turnier. Aber eines mit Gewicht. Hier ging es nicht nur um Siege – sondern um Macht. Und um die Konsequenzen, die sie mit sich bringt.

16 Carat Gold 2024 – Im Gleichgewicht

Nicht jedes 16 Carat Gold muss Geschichte schreiben. Manche müssen einfach funktionieren. Genau das tat das Carat 2024. Kein Übergangsjahr, kein uneingeschränktes Highlight, kein großes Neusortieren der wXw-Welt. Sondern ein solides, starkes Wochenende, das wusste, was es ist – und genau darin überzeugte.

Im Zentrum stand Laurance Roman. Der ehemalige „Waschbär“ gewann das Turnier und machte damit einen weiteren Schritt Richtung Main Event. Keine überzeichnete Charakterwende, kein lauter Turn. Stattdessen eine Entwicklung, die sich über das Wochenende zog: Roman löste sich Stück für Stück vom bösen Amboss. Nicht plakativ, nicht endgültig – aber sichtbar. Genau so, wie gutes Carat-Booking oft funktioniert.

Das Finale gegen Tihanyi war stark, wenn auch nicht perfekt. Tihanyi ging angeschlagen ins Match, eine Rückenverletzung begleitete ihn seit Back to the Roots, verursacht durch einen Stuhlschlag. Das sah man. Und genau das gab dem Finale seine Glaubwürdigkeit. Kein klassisches „Match des Jahres“, aber ein harter, ehrlicher Abschluss eines Turniers, das nie mehr sein wollte als es war.

Das Teilnehmerfeld bot eine gute Mischung aus bekannten Namen und sinnvoll eingeführten Neulingen. 1 Called Manders feierte sein Carat-Debüt, nachdem er sich im Herbst 2023 überraschend qualifiziert hatte – unter anderem mit einem Sieg gegen Axel Tischer in der World Tag Team League. Kein Fremdkörper, sondern logisch eingebaut. Mit Lio Rush und Masato Tanaka war zudem internationale Klasse vertreten, ohne dass das Turnier davon erdrückt wurde.

Härter wurde es im ECW-inspirierten Match zwischen Icarus & Robert Dreissker für Amboss gegen Nick Schreier und Masato Tanaka. Hier entstand etwas, das nicht geplant wirkte, aber hängen blieb: die Geburt von Hardcore Schreier. Für nichts zu schade, völlig kompromisslos – ein Spitzname, der sich im Match selbst erklärte.

Dass Wrestling immer Risiko bleibt, zeigte sich an Tag 1. Blum wurde in seinem Match gegen Tanaka nach einem zu harten Schlag ausgeknockt. Ein Moment, der erdete und daran erinnerte, dass auch ein gutes Wochenende reale Kanten hat.

Flexibilität bewies das Booking, als Yuto Nakashima ausfiel. Anita Vaughan sprang als Partnerin von Oskar ein – und die Dynamik funktionierte überraschend gut. Kein Notbehelf, sondern ein gelungenes Improvisieren.

Sportlich schwer wurde es an Tag 2 im wXw Unified World Wrestling Championship Match zwischen dem Champion Robert Dreissker und Shigehiro Irie. Ein blutiges Match, entschieden durch die Dreissker Bomb. Amboss blieb gefährlich, dominant, unangenehm.

Auf der anderen Seite des Spektrums zeigte Lio Rush gegen Michael Oku an Tag 3 modernes Weltklasse-Wrestling. Technik, Tempo, Timing – ein Match, das für sich stand. Ähnlich überzeugend: Aigle Blanc gegen Mike D Vecchio an Tag 2. Der Beweis, dass es keine Gaststars braucht, um zu liefern.

Das 16 Carat Gold 2024 war nicht legendär. Aber es war gut. Und manchmal ist genau das das größte Kompliment.

16 Carat Gold 2025 – Ein Komma, kein Punkt

2025 war ein Wochenende, das zurückblickte, ohne stehen zu bleiben. Denn während dieses Carat Geschichte schrieb, stand das nächste bereits vor der Tür. 2026 kommt. Und genau deshalb wirkt 2025 wie ein Komma – nicht wie ein Punkt.

Das Turnier stand von Beginn an unter besonderen Vorzeichen. Tihanyi musste seinen Titel verletzungsbedingt abgeben. Kein Angle – schlicht Realität. Und genau diese Realität zog sich wie ein roter Faden durch das Wochenende.

Historisch wurde es früh. Masaaki Mochizuki betrat mit 55 Jahren, 1 Monat und 18 Tagen den Ring und ist damit der älteste Carat-Teilnehmer aller Zeiten. Keine Nostalgieshow. Einfach Respekt. Ein Moment, der zeigte, wie weit dieses Turnier reicht – zeitlich wie kulturell.

Sportlich kulminierte das Wochenende in einem wahnsinnigen Finale zwischen 1 Called Manders und Ahura. Ahura salutierte, stellte sich der Gewalt und ließ sich von Manders’ Lariat durch den Ring kloppen. Über das Turnier hinweg sammelte er Schaden um Schaden, wirkte im Finale fast wie eine Mumie – eine überzogene Beschreibung, ja, aber ein treffendes Bild. Dieses Match war Carat in Reinform: Leidensfähigkeit, Stolz, keine Abkürzungen. Ahura scheiterte kurz vor dem ganz großen Wurf.

Nicht jeder Plan ging auf. Blum blieb auch 2025 vom Pech verfolgt. Nach dem K. O. im Vorjahr nahm ihm eine höhere Macht erneut das große Wochenende. Statt dem erwarteten Titelmatch gab es an Tag 2 ein 4-Way Ladder Match: Big Bucks gegen Amboss, Young Blood und Planet Gojirah. Risiko, Spektakel, ein anderer Weg – aber einer, der funktionierte. Brechende Tische, Sprünge von Leitern und pures Chaos. Sowas hat das Carat lange nicht gesehen.

Einen weiteren Rekord schrieb Mike D Vecchio. Sein Sieg gegen Levaniel dauerte 1:12 Minuten und ist damit das kürzeste Titelmatch der Carat-Geschichte. Brutal effizient.

Die Zeit von 2006 bis 2025 brachte uns einige Spannende Zahlen:

Wer alle Matches am Stück gucken will, ist 4 Tage, 11 Stunden, 35 Minuten und 57 Sekunden beschäftigt. In dieser Zeit bekommt man 258 verschiedene Wrestler*innen zu Gesicht. Von Newcomern bis zu lebenden Legenden, alles dabei. 9 verschiedene Titel wurden verteidigt. Aus 68 Titelmatches ging 41 mal der Champion mit dem Titel nach Hause. In 27 Fällen hieß es „and new Champion“.

Und während man versucht, diese Dimensionen zu begreifen, steht das nächste Kapitel bereits bereit. Auch 2026 gibt es ein Carat. Neue Namen werden dazukommen, andere gehen, Rekorde fallen oder bleiben bestehen. Das 16 Carat Gold endet nicht, nur weil man zurückblickt. Es wird fortgeschrieben.

2025 war kein Schluss.
Bald heißt es wieder: HEUTE IST CARAT.

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