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wXw 16 Carat Gold – Die komplette Historie 2006–2025 von Sebastian Grimm Teil 3

Vor einigen Wochen hat uns Sebastian Grimm kontaktiert – und uns mit beeindruckenden Statistiken aus 20 Jahren 16 Carat Gold überrascht. Doch damit nicht genug:
Er hat anschließend 19 ausführliche Artikel zu allen bisherigen Turnieren verfasst.

Diese großartige Arbeit möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten.

📚 Lest jetzt die komplette Artikelserie HIER auf Substack oder Teil 3 im Folgenden hier auf unserer Homepage.

 

16 Carat Gold 2015 – Kein Ende in Sicht

Das 16 Carat Gold 2015 war kein Turnier, das nach einem endgültigen Schlusspunkt verlangte. Statt Zäsuren lieferte es Fortsetzungen, verlängerte Serien und geteilte Rekorde. Es war eine Ausgabe, die weniger durch Umbrüche als durch Beständigkeit definiert wurde.

Im Mittelpunkt stand Tommy End. Mit seinem zweiten Turniersieg zog er mit Chris Hero gleich und teilte sich fortan den Rekord für die meisten Siege beim 16 Carat Gold. Anders als bei vielen wiederholten Erfolgen wirkte dieser Triumph jedoch nicht wie eine erneute Krönung, sondern wie die Bestätigung eines längst etablierten Zustands.

Auf dem Weg zum Turniersieg bezwang End Chris Sabin, Andrew Everett, Absolute Andy und Axel Dieter Jr.. Damit baute er seine Carat-Streak auf 10–0 aus. Bemerkenswert ist, dass End seit diesem Wochenende kein weiteres Match beim Turnier bestritten hat. Die Streak wurde nicht beendet – sie besteht bis heute.
Das Finale selbst ging als kürzestes Carat-Finale der Geschichte in die Statistik ein und passte damit sinnbildlich zu einem Turnier, das Effizienz über Dramatisierung stellte.

Auch abseits des Turniersiegs wurden Geschichten fortgeschrieben und abgeschlossen. Für Michael Dante markierte 2015 einen stillen Endpunkt. Mit seinem zehnten Non-Tournament-Match stellte er einen kuriosen Rekord ein – zehn Auftritte an Carat-Wochenenden, ohne je Teil des eigentlichen Turniers gewesen zu sein. Gleichzeitig war es sein letzter Auftritt beim 16 Carat Gold.

Eine konstante Größe blieb WALTER. An Tag 2 trat er im wXw Unified World Wrestling Championship Match gegen Karsten Beck an. Es war bereits sein fünfter Hauptkampf bei einem Carat-Wochenende, zugleich jedoch das nächste verlorene Titelmatch. Präsenz und Bedeutung standen erneut außer Frage – der große Titelmoment blieb ihm jedoch verwehrt.

Wie schon im Jahr zuvor kam es auch 2015 zu einer kurzfristigen Änderung im Turnierverlauf. Ricochet konnte aufgrund eines Schneesturms nicht gegen Andrew Everett antreten. Als Alternate rückte Robert Dreissker nach – eine Erinnerung daran, dass das 16 Carat Gold trotz aller Planung immer auch von äußeren Umständen geprägt wird.

Abseits der großen Linien zeichnete sich das Wochenende durch eine hohe Matchqualität aus. Besonders hervorzuheben sind Axel Tischer gegen Zack Sabre Jr. an Tag 1 sowie das #1 Contendership Match um die Shotgun Championship an Tag 2 zwischen Axel Tischer, Cedric Alexander, Chris Sabin und Uhaa Nation (bekannt als Apollo Crews).
Als Special Act war zudem das World's Cutest Tag Team über das Wochenende präsent und ergänzte das Rahmenprogramm. Candice LeRae und Joey Ryan als Special-Attraction für nebenbei? Typisch Carat.

Das 16 Carat Gold 2015 war kein Turnier der großen Neuanfänge. Es teilte Rekorde, verlängerte Serien und ließ Entwicklungen bewusst offen. Ein Wochenende, das nicht nach einem Abschluss suchte – sondern nach Bestand.

16 Carat Gold 2016 - Hochverrat

Das 16 Carat Gold 2016 war episch. Nicht, weil es besonders lang war. Nicht, weil alles reibungslos funktionierte. Sondern weil es genau dann lieferte, wenn Planung keine Option mehr war. Dieses Wochenende lebte von Dichte, Intensität und Konsequenzen – und genau das machte es unvergesslich.

Die nackten Zahlen erzählen zunächst eine andere Geschichte. Das Finale ging mit 12:35 Minuten als zweitkürzestes Finale aller Zeiten in die Statistik ein. Der zweite Turniertag brachte mit 1:37:59 Stunden die geringste kombinierte Matchzeit eines Samstags in der Carat-Historie. Doch diese Zahlen täuschen. 2016 verschenkte keine Sekunden. Jedes Match trug Gewicht, jeder Moment Bedeutung.

Trotz der kompakten Struktur war das Turnier eines von nur vier Carats mit Teilnehmern aus neun Nationen. Die internationale Breite war enorm – und das Teilnehmerfeld las sich geradezu absurd stark: Zack Sabre Jr., Big Daddy Walter, Ilja Dragunov, Mike Bailey, Will Ospreay, Shane Strickland, Trevor Lee, Angelico, Drew Galloway und Sami Callihan. Dazu war auch Toni Storm Teil des Wochenendes. Allein auf dem Papier ein All-Timer.

Improvisation wurde zur Stärke. Das wXw Unified World Wrestling Championship Match an Tag 3 zwischen Jurn Simmons und Tyler Bate war ursprünglich nicht geplant. Eigentlich hätte der Shortcut-Sieger Grado antreten sollen – doch das Match scheiterte, wie schon ein geplanter Titelkampf im Oktober 2015. So entstand kurzfristig ein Duell, das nach 4:04 Minuten endete und heute Platz drei der kürzesten Titelmatches hält. Funktioniert hat es trotzdem.

Der zentrale Moment des Wochenendes war der Main Event an Tag 2. Geplant war ein Three Way um das große Gold, doch Simmons und Karsten Beck forderten die Addition eines vierten Mannes. Christian Michael Jakobi sagte zu. Im entstehenden Four Way übernahm Simmons die Kontrolle, turnte gegen den König und gewann den Titel – mit dem Piledriver, Becks eigenem Finisher. Der Aufschrei „Hochverrat!“ fasst es gut zusammen.

Die Konsequenzen waren spürber. Bad Bones und Absolute Andy gingen so weit, dass sie an Tag 3 nicht mehr antreten konnten. Beck ließ nach dem Match seine Schuhe im Ring zurück. Kein schneller Reset, kein Zurückrudern. Ein Abschied für immer?

Auch das Turnier selbst musste sich anpassen. Einmalig fand ein Viertelfinale an Tag 3 statt, da Drew Galloway zuvor nicht anwesend war. Am Sonntag besiegte er Angelico und forderte sofort sein Halbfinale – das er verlor. Axel Dieter Jr. zog ins Finale ein und gab auf. Der Pokal ging somit mit Zack Sabre Jr. zusammen nach England.

2016 war groß. Die Matches, die Momente, der Sieger. Einfach groß.

16 Carat Gold 2017 - Eskalation

Nach dem emotionalen Vorjahr fühlte sich das 16 Carat Gold 2017 wie eine bewusste Gegenbewegung an. Weniger Chaos, weniger Notlösungen – dafür Konfrontation, Eskalation und ein Turnier, das seine Epik nicht suchte, sondern sich nahm.

Dabei begann das Wochenende fast unscheinbar. Tag 1 brachte mit 1 Stunde, 21 Minuten und 41 Sekunden die geringste kombinierte Matchzeit eines ersten Turniertages. Kurz, kompakt, fokussiert. Rückblickend war es die Ruhe vor dem Sturm.

WALTER nahm sich das Spotlight zurück. Dies nicht nur einmal, sondern gleich doppelt. Main Event Nummer sechs folgte an Tag 1 gegen David Starr, Main Event Nummer sieben an Tag 3 gegen Ilja Dragunov. Und dieses Match wurde mehr als nur ein Hauptkampf. WALTER gegen Dragunov entwickelte sich zu einem der härtesten Matches der gesamten Carat-Geschichte. Das laute Klatsch der Chops hallte durch die Halle, Iljas Brust färbte sich blutig. Wer vor Ort war, wird dieses Bild nicht vergessen. Härte als Sprache – klarer konnte dieses Jahr sein Leitmotiv kaum formulieren.

Das Teilnehmerfeld unterstrich die Bedeutung dieses Wochenendes. Namen wie Cody Rhodes und Koji Kanemoto sorgten für internationale Strahlkraft, ohne den Fokus vom Kern des Turniers zu nehmen. Auch Jeff Cobb trat an Tag 2 als Special Attraction auf und fügte sich nahtlos ins Wochenende ein.

Persönliche Brüche spielten ebenfalls eine Rolle. Bereits in der ersten Runde besiegte Ilja Dragunov seinen ehemaligen Partner Avalanche. Nach dem Match folgte der nächste Einschnitt: Avalanche turnte gegen Adam Polak. Alte Allianzen zerbrachen vor unseren Augen.

Eine Figur, die 2017 endgültig Profil gewann, war Bobby Gunns. Nach einer Niederlage von Koji Kanemoto erschien er erstmals, zündete sich demonstrativ eine Zigarre an und sagte nichts. Das Bild reichte. An Tag 2 traf Kanemoto auf Francis Kaspin – und wieder war es Gunns, der nach dem Match herauskam und Kanemoto für Tag 3 herausforderte. Der Payoff folgte prompt: Bobby Gunns besiegte Koji Kanemoto und setzte damit ein klares Zeichen.

Konstanz brachte der Champion. Jurn Simmons wurde im zweiten Jahr in Folge wXw Unified World Wrestling Champion. Inmitten aller Eskalation blieb dieser Titel ein stabiler Anker.

Doch 2017 wollte kein leises Ende. Nach dem Tag Team Titelmatch kam es zum großen Brawl. Karsten Beck versuchte, Ringkampf zu stoppen – und scheiterte. Christian Michael Jakobi griff zum Stuhl, bereit zur Eskalation. Doch dann: Kim Ray. Ein Moment, der die Halle explodieren ließ. Was für ein Comeback, was für ein Pop.

Das 16 Carat Gold 2017 biss wieder zu. Es war roh, kompromisslos und laut. Ein Turnier, das nicht erklärte, sondern zeigte – und genau deshalb so nachhaltig wirkte.

16 Carat Gold 2018 – Geschichte in Echtzeit

Nach der rohen Eskalation des Vorjahres stand das 16 Carat Gold 2018 unter Hochspannung. Selten zuvor liefen so viele Fäden gleichzeitig auf ein Wochenende zu. Und selten zuvor zahlten sich Langzeitstories so kompromisslos aus. 2018 war kein Carat, das sich erklären musste. Es lieferte.

Dabei begann alles mit Unsicherheit. Mit Jeff Cobb, Rey Fenix und Pentagon Jr. fielen gleich drei angekündigte Namen aus. Ersatz wurde schnell gefunden. Matt Sydal, Matt Riddle und Keith Lee rückten nach und prägten das Turnier sofort.

Einen Schockmoment gab es gleich zu Beginn. Das kürzeste Turniermatch der Carat-Geschichte dauerte gerade einmal 12 Sekunden. Matt Riddle schickte Da Mack mit einem Knee Strike schlafen. Ein brutaler Auftakt – und der erste deutliche Rückschlag für RISE.

RISE selbst stand ohnehin unter Druck. Lucky Kid trat mit Facepaint an und schaffte es bis ins Viertelfinale, wo er an Absolute Andy scheiterte. Kein Märchenlauf, aber sichtbare Entwicklung.

Auch das Turnier selbst musste reagieren. Jurn Simmons fiel kurzfristig aus, Emil Sitoci rückte als Alternate nach. Flexibilität gehörte längst zur DNA dieses Wochenendes.

Im Finale trafen Absolute Andy und David Starr aufeinander. Mit Platz drei der längsten Finals war die Qualität unbestritten. Die Stimmung in der Halle war eindeutig: fast geschlossen für Starr, deutlich gegen Andy. Das Finale polarisierte. Andy gewann das Turnier trotzdem. Kein Konsenssieg, sondern eine Entscheidung mit Reibung.

Der wahre Kulminationspunkt folgte an Tag 2. WALTER bestritt seinen achten Carat-Main-Event. Geplant war ein Match gegen den wXw Unified World Wrestling Champion Bad Bones. WALTER durfte die Stipulation wählen – und wartete bis zum Ring. Dann der Satz für die Ewigkeit: „Ich schulde jemandem einen Gefallen. Dieses Match ist ein Three Way Dance.“ Noch bevor die Halle realisierte, was gesagt worden war, erklang die Musik von Ilja Dragunov. Nach drei Monaten Abwesenheit war er zurück.

Das Match war hart, intensiv, aufgeladen. Am Ende traf der Torpedo Moskau, Dragunov pinte Bad Bones und reckte den Titel in die Höhe. Ein Moment für die Ewigkeit – Geschichte in Echtzeit. Nicht umsonst gilt dieser Samstag als einer der besten Carat-Tage aller Zeiten.

Als wäre das nicht genug, zerfiel RISE weiter. Pete Bouncer turnte gegen die Gruppierung und streckte Bad Bones mit dem Double Underhook DDT nieder. Die Macht bröckelte sichtbar, aber die Halle war heiß.

2018 war eines der besten Carats überhaupt. Nicht, weil alles gefiel. Sondern weil alles passte.

16 Carat Gold 2019 – Wenn alles passieren kann

Nach dem Kulminationspunkt des Vorjahres öffnete sich das 16 Carat Gold 2019 in alle Richtungen. Weniger Engführung, weniger eine dominante Erzählung – dafür Breite, Vielfalt und das Gefühl, dass an diesem Wochenende alles passieren konnte. Und genau das passierte dann auch.

Schon der Rahmen setzte ein Ausrufezeichen. Mit Teilnehmern aus neun Nationen stellte 2019 einen geteilten Rekord ein. Kein Alleinstellungsmerkmal, aber ein klares Signal: Das Carat war endgültig ein globaler Treffpunkt. Diese Vielfalt spiegelte sich nicht nur in Pässen wider, sondern vor allem in Stilen. Lucha Libre traf auf japanische Gewalt, europäische Härte auf junge Visionen.

Manchmal erzählen Zahlen mehr als große Gesten. Toni Storm gegen Killer Kelly dauerte 12:58 Minuten – nur eine Sekunde entfernt vom exakten Durchschnitt eines Carat-Matches. Dieser liegt bei 12 Minuten und 59 Sekunden. Keine Besonderheit, aber ein spannendes Detail.

Was 2019 zusätzlich besonders machte, war das Einlösen alter Versprechen. Nach dem Ausfall im Jahr zuvor waren Rey Fenix und Pentagon Jr. endlich Teil des Turniers. Auch Axel Dieter Jr. kehrte für das Carat zurück – zur großen Freude der Fans, die er bereits bei der 18th Anniversary Show angekündigt hatte.

Das Teilnehmerfeld wirkte wie ein bewusster Stilmix. Luchadores wie Rey Fenix oder Rey Horus standen japanischer Physis von Shigehiro Irie und Daisuke Sekimoto gegenüber. Dazu die wXw-Gegenwart in Form von WALTER und die Zukunft mit Namen wie Julian Pace und Lucky Kid. In dieser Mischung lag die Besonderheit der Turniers.

Dass dieses Turnier kein Schonprogramm werden würde, zeigte sich früh. In der ersten Runde trafen Avalanche und Jurn Simmons in einem Falls Count Anywhere Match aufeinander. Härter konnte ein Auftakt kaum sein.

Konstant wie eh und je war WALTER. Er bestritt die Main Events an Tag 1 gegen David Starr und Tag 3 gegen Lucky Kid und erhöhte damit auf zehn Carat-Main-Events – ein alleiniger Rekord. Und doch erzählte 2019 nicht seine Geschichte, sondern die eines Aufstiegs. Lucky Kid besiegte Timothy Thatcher, Axel Dieter Jr., Ilja Dragunov und schließlich WALTER selbst. Die komplette Topriege fiel – Zukunft wurde Gegenwart.

Auch atmosphärisch dachte das Carat größer. Der Wechsel in die Turbinenhalle 1 brachte eine spürbar größere Crowd und ein anderes Gefühl. Dieses Ambiente passte zum nächsten großen Moment: Bobby Gunns besiegte im Hauptkampf von Tag 2 Absolute Andy und gewann die wXw Unified World Wrestling Championship. Die Entrances allein waren ein Statement – Andy fuhr mit einer Hebebühne herab – und der Titelwechsel zu Bobby Gunnes war der verdiente Payoff.

Für den Überraschungsmoment sorgte Marius Al-Ani mit seiner Open Challenge um den Shotgun Title an Tag 3. Heraus kam kein geringerer als Alexander Wolfe, zu diesem Zeitpunkt bei WWE unter Vertrag. Ein echter Schock, ein echter Moment.

2019 war kein Carat der einen Geschichte. Es war ein Turnier, das viele tragen konnte – und genau darin lag seine Größe.

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